Trittschall prüfen und optimieren: So sichern Sie die akustische Qualität in Gebäuden
Das laute Klappern von harten Schuhabsätzen, das Poltern springender Kinder oder das Verschieben von Stühlen aus dem darüberliegenden Stockwerk – kaum etwas stört die Ruhe in Wohn- und Arbeitsräumen so sehr wie unzureichend gedämmter Trittschall. Um Konflikte zu vermeiden und bauakustische Vorgaben sicher einzuhalten, ist es entscheidend, den Trittschall professionell zu prüfen.
In diesem Artikel erfahren Sie, wie die Trittschallmessung nach aktuellen Normen funktioniert, welche Messgeräte dabei zum Einsatz kommen und wie sich die Ergebnisse bewerten lassen, um gezielte Optimierungsmaßnahmen abzuleiten.
Warum ist die Trittschallprüfung so wichtig?
Trittschall ist eine spezielle Form des Körperschalls. Er entsteht, wenn eine Decke oder Treppe durch mechanische Stöße angeregt wird und diese Schwingungen als hörbaren Luftschall in benachbarte Räume abstrahlt.
Eine präzise Überprüfung der Trittschalldämmung am Bau ist unerlässlich, um:
Baumängel aufzudecken: Nur durch Messungen lässt sich feststellen, ob schwimmende Estriche, Trittschalldämmplatten oder Bodenbeläge fachgerecht verlegt wurden und keine unerwünschten Schallbrücken existieren.
Normen zu erfüllen: Bauvorschriften fordern die Einhaltung bestimmter Grenzwerte. Die normgerechte Messung weist nach, ob diese Anforderungen erfüllt sind.
Planungssicherheit zu gewinnen: Wer den Trittschall bereits in frühen Bau- oder Sanierungsphasen prüft, vermeidet teure nachträgliche Umbauarbeiten.
Wie wird Trittschall gemessen? Die Technik dahinter
Die Messung der Trittschalldämmung in Gebäuden und von Bauteilen am Bau ist detailliert in der Norm DIN EN ISO 16283-2 geregelt. Für die Messung kommen spezielle, genormte Trittschallquellen zum Einsatz, die reale Störgeräusche simulieren:
1. Das Norm-Hammerwerk
Das Hammerwerk ist die klassische Trittschallquelle. Es verfügt über fünf in einer Reihe angeordnete Hämmer , die mit einer Masse von jeweils 500 g aus einer festgelegten Höhe auf den Boden fallen.
Einsatzgebiet: Es wird genutzt, um harte Stöße zu beurteilen, wie sie beispielsweise durch das Gehen mit hartem Absatz oder herabfallende Gegenstände entstehen.
2. Der Gummiball
Als alternative Quelle wird ein standardisierter Gummiball aus einer Höhe von $100$ cm im freien Fall auf den Boden fallen gelassen.
Einsatzgebiet: Der Ball dient zur Beurteilung von schweren, weichen Stößen, wie sie durch barfuß gehende Personen oder springende Kinder verursacht werden.
Das Messverfahren
Die eigentliche Prüfung erfordert hochpräzise Ausrüstung. Während das Hammerwerk oder der Gummiball im „Senderaum“ betrieben werden, erfassen Mikrofone im „Empfangsraum“ die übertragenen Geräusche. Um präzise Daten zu erhalten, müssen drei wesentliche Faktoren gemessen werden:
Der Schalldruckpegel bei eingeschalteter Trittschallquelle.
Der Störgeräuschpegel (Hintergrundrauschen) im Empfangsraum.
Die Nachhallzeit im Empfangsraum, um den Einfluss der Raumakustik auf das Messergebnis herauszurechnen.
Besondere Aufmerksamkeit ist bei sehr kleinen Räumen (Volumen unter $25~m^3$) gefragt: Hier muss nach Norm ein spezielles Verfahren für tiefe Frequenzen angewendet werden, das zusätzliche Messungen in den Raumecken (sogenannte Eckmessungen) vorschreibt, da sich dort der Schalldruck stark staut.
Die Bewertung: Aus Daten werden handfeste Kennzahlen
Nachdem die frequenzabhängigen Pegel (meist im Bereich von 50 Hz bis 5000 Hz ) gemessen wurden, müssen diese in eine verständliche Kenngröße übersetzt werden. Dies geschieht nach der Norm DIN EN ISO 717-2.
Die Messergebnisse werden mit standardisierten Bezugskurven verglichen, um sogenannte „Einzahlangaben“ zu bilden. Die wichtigsten Kennzahlen für Gebäude sind:
L’_n,w (bewerteter Norm-Trittschallpegel): Gibt die Trittschallübertragung am Bau an. Je niedriger dieser Wert, desto besser ist die Dämmung.
L’_nT,w (bewerteter Standard-Trittschallpegel): Hierbei wird das Ergebnis zusätzlich auf eine genormte Nachhallzeit von 0,5 Sekunden bezogen (typisch für Wohnräume).
Delta L_w (bewertete Trittschallpegelminderung): Diese Zahl beschreibt, wie stark ein Bodenbelag (z. B. ein neuer Teppich oder ein schwimmender Estrich) die Trittschalldämmung einer Massivdecke verbessert.
Zusätzlich kann ein Spektrum-Anpassungswert Ci angegeben werden, der die Charakteristik typischer Gehgeräusche noch feiner abbildet.
Unser Beratungsangebot: Wir lösen Ihre bauakustischen Herausforderungen
Die korrekte Messung und vor allem die Interpretation von Trittschalldaten erfordern tiefgreifendes physikalisches Verständnis und Erfahrung in der Bauakustik. Ein bloßer Zahlenwert hilft Ihnen nicht weiter, wenn die Ursache für eine Schallbrücke unentdeckt bleibt.
Als Experten für Akustik und multiphysikalische Simulationen bieten wir Ihnen umfassende Beratungsdienstleistungen an. Wir unterstützen Sie nicht nur bei der Analyse bestehender bauakustischer Probleme, sondern optimieren Ihre Decken- und Bodenaufbauten bereits in der Planungsphase – effizient, normgerecht und zielorientiert.
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